Wortarten

Die deutsche Grammatik kennt verschiedene Wortarten. Welche das sind und was es damit auf sich hat, könnt Ihr auf dieser Seite nachlesen.

1. Definition: Wortarten - die deutsche Sprache und ihre Ordnung

Die Grammatik oder Sprachlehre betrachtet und behandelt eine Sprache als Ganzes. Sie gibt ihr bindende Regeln und zugleich eine Art Bauplan. Dadurch legt sie fest, wie Worte gebildet beziehungsweise angepasst werden und auf welche Weise sie im Satzgefüge ihren Platz finden.
Der Begriff "Wortart", mitunter auch "Wortklasse" genannt, steht für Wörter mit gleichen oder ähnlichen Merkmalen und Funktionen innerhalb eines Satzes. Die Wortartlehre strebt deren methodische Klassifizierung an und ordnet sie ein. Damit bildet sie einen wichtigen Teilaspekt der Grammatik und ist essenziell für das Erlernen der deutschen Sprache.

2. Standardform: Die klassische "Zehn-Wortarten-Lehre"

Mit den allgemeinen Regeln der deutschen Sprache bildete sich auch die Klassifikation ihrer einzelnen Wörter heraus. Die traditionelle Einteilung nach der "Zehn-Wortarten Lehre" ist bis heute die Standardform, die auch im Deutschunterricht an deutschen Schulen gelehrt wird.
Experten führen diese Form bis in die Antike zurück. Bereits vor 1.700 Jahren kannte der römische Gelehrte Aelius Donatus (um 310 - 380) schon acht Wortarten: adverbium, coniunctio, interiectio, nomen, participium, praepositio, pronomen und verbum. Heute unterscheiden wir zehn Wortarten.

Wortarten-Übersicht

  1. Substantiv
  2. Verb
  3. Adjektiv
  4. Adverb
  5. Artikel
  6. Pronomen
  7. Präposition
  8. Konjunktion
  9. Interjektion
  10. Numerale

2.1 Substantiv

Das Substantiv, auch als "Nomen", "Hauptwort" oder "Namenwort" bezeichnet, steht für Lebewesen, Pflanzen, Dinge oder für etwas Abstraktes.

Beispiele: Mensch, Tier, Rose, Baum, Schiff, Flugzeug, Seele, Traum

Substantive können dekliniert werden und werden im Rahmen der Formenlehre bestimmt nach:

Genus (Geschlecht) maskulinum (männlich)
femininum (weiblich)
neutrum (sächlich)
Numerus (Zahl) Singular (Einzahl)
Plural (Mehrzahl)
Kasus (Fall) Nominativ (1. Fall)
Genitiv (2. Fall)
Dativ (3. Fall)
Akkusativ (4. Fall)

2.2 Verb

Das Verb, auch als "Zeitwort" oder "Tätigkeitswort" bezeichnet, drückt eine Handlung, einen Zustand und mitunter einen Vorgang aus.

Beispiele: laufen, gehen, sitzen, liegen

Verben können konjugiert werden und werden im Rahmen der Formenlehre bestimmt nach:

Person 1. Person: der Sprecher selbst
2. Person: angesprochene Person
3. Person: Person über die man spricht
Numerus (Zahl) Singular (Einzahl)
Plural (Mehrzahl)
Tempus (Zeit) Präsens
Präteritum
Perfekt
Plusquamperfekt
Futur I
Futur II
Genus Verbi (Aktionsart) Aktiv
Passiv
Modus (Aussageweise) Indikativ
Konjunktiv
Imperativ

2.3 Adjektiv

Das Adjektiv, auch als "Eigenschaftswort" bezeichnet, dient einer detaillierten Beschreibung anderer Wörter und Satzbestandteile.

Beispiele: rot, klein, dunkel, lustig

Genau wie das Nomen können auch Adjektive dekliniert werden. Mittels Komparation lassen sich Situationen, Personen oder Sachen miteinander vergleichen:

Positiv (Grundform) lieb, klein
Komparativ (erste Steigerung) lieber, kleiner
Superlativ (höchste Steigerungsstufe) am liebsten, am kleinsten

2.4 Adverb

Das Adverb, auch als "Umstandswort" bezeichnet, erklärt ein Verb, Adjektiv oder einen ganzen Satz näher. Es bezieht sich somit auf andere Wörter und macht einzelne Sachverhalte deutlich.

Interrogativadverb (Frage) kausal: warum, weshalb, weswegen, wieso
lokal: wo, woher, wohin, ...
modal: wie
temporal: wann
Kausaladverb Grund: daher, darum, deswegen, ...
Bedingung: ansonsten, notfalls, sonst, ...
Einräumung: dennoch, gleichwohl, trotzdem, ...
Folge: also, folglich, demzufolge, ...
Zweck:darum, dazu, hierfür, ...
Konjunktionaladverb kopulativ: ebenfalls, zudem, zusätzlich, ...
kausal: daher, deshalb nämlich, ...
konzessiv: dennoch, nichtsdestotrotz, trotzdem
konsekutiv: demzufolge, deswegen, folglich, ...
adversativ: allerdings, hingegen, stattdessen, ...
disjunktiv: andernfalls, sonst, ...
temporal: anschließend, davor, währenddessen, ...
restriktiv: allerdings, indessen, insofern, ...
Lokaladverb Lage: da, daher, dort, draußen, hier, nirgends, ...
Richtung: abwärts, dorthin, herab, hoch, vorwärts, ...
Modaladverb Art und Weise: gern, kopfüber, umsonst, ...
Grad und Maß: äußerst, halbwegs, kaum, ...
Erweiterung: auch, außerdem, überdies, ...
Einschränkung: allerdings, hingegen, zumindest, ...
Hervorhebung: ausgerechnet, besonders, sogar, ...
Einschätzung: bestimmt, vielleicht, zweifellos, ...
Pronominaladverb / Präpositionaladverb Präsposition "an": daran, hieran, woran, ...
Präsposition "bei": dabei, hierbei, wobei, ...
Präsposition "mit": damit, hiermit, womit, ...
Präsposition "um": darum, hierum, worum, ...
Präsposition "zu": dazu, hierzu, wozu, ...
usw.
Temporaladverb (Zeit) Gegenwart: gerade, heute, jetzt, ...
Vergangenheit: damals, einst, gestern, ...
Zukunft: bald, später, übermorgen, ...
Zeitpunkt: anfangs, heute, vorhin, ...
Wiederholung: mehrmals, oft, zweimal, ...
Zeitdauer: lange, monatelang, weiterhin, ...

2.5 Artikel

Der Artikel, auch als "Geschlechtswort" oder "Begleiter" bezeichnet, kennzeichnet den Genus, Numerus und Kasus von einem Nomen.

bestimmter Artikel der (maskulinum)
die (femininum)
das (neutrum)
Achtung: im Plural immer "die"
unbestimmter Artikel ein (maskulinum)
eine (femininum)
ein (neutrum)

2.6 Pronomen

Das Pronomen, auch als "Fürwort" bezeichnet, vertritt ein Nomen oder bestimmt es näher. Die deutsche Grammatik kennt insgesamt sieben Arten von Fürwörtern:

2.6.1 Personalpronomen (persönliches Fürwort)

Einzahl Mehrzahl
1. Person 2. Person 3. Person 1. Person 2. Person 3. Person
Nominativ ich du er/sie/es wir ihr sie
Genitiv meiner deiner seiner/ihrer/seiner unser euer ihrer
Dativ mir dir ihm/ihr/ihm uns euch ihnen
Akkusativ mich dich ihn/sie/es uns euch sie

2.6.2 Possessivpronomen (besitzanzeigendes Fürwort)

Einzahl Mehrzahl
1. Person 2. Person 3. Person 1. Person 2. Person 3. Person
Nominativ (maskulin/neutral) mein dein sein/ihr/sein unser euer ihr
Nominativ (feminin/Plural) meine deine seine/ihre/seine unsere eure ihre
Genitiv (maskulin/neutral) meines deines seines/ihres/seines unseres eures ihres
Genitiv (feminin/Plural) meiner deiner seiner/ihrer/seiner unserer eurer ihrer
Dativ (maskulin/neutral) meinem deinem seinem/ihrem/seinem unserem eurem ihrem
Dativ (feminin) meiner deiner seiner/ihrer/seiner unserer eurer ihrer
Dativ (Plural) meinen deinen seinen/ihren/seinen unseren euren ihren
Akkusativ (maskulin) meinen deinen seinen/ihren/seinen unseren euren ihren
Akkusativ (neutral) mein dein sein/ihr/sein unser euer ihr
Akkusativ (feminin/Plural) meine deine seine/ihre/seine unsere eure ihre

2.6.3 Reflexivpronomen (rückbezügliches Fürwort)

Einzahl Mehrzahl
1. Person 2. Person 3. Person 1. Person 2. Person 3. Person
Dativ mir dir sich uns euch sich
Akkusativ mich dich sich uns euch sich

2.6.4 Demonstrativpronomen (hinweisendes Fürwort)

maskulin feminin neutral Plural
Nominativ dieser/jener
derjenige
derselbe
diese/jene
diejenige
dieselbe
dieses/jenes
dasjenige
dasselbe
diese/jene
diejenigen
dieselben
Genitiv dieses/jenes
desjenigen
desselben
dieser/jener
derjenigen
derselben
dieses/jenes
desjenigen
desselben
dieser/jener
derjenigen
derselben
Dativ diesem/jenem
demjenigen
demselben
dieser/jener
derjenigen
derselben
diesem/jenem
demjenigen
demselben
diesen/jenen
denjenigen
denselben
Akkusativ diesen/jenen
denjenigen
denselben
diese/jene
diejenige
dieselbe
dieses/jenes
dasjenige
dasselbe
diese/jene
diejenigen
dieselben

2.6.5 Relativpronomen (bezügliches Fürwort)

maskulin feminin neutral Plural
Nominativ der/welcher die/welche das/welches die/welche
Genitiv dessen deren dessen deren
Dativ dem/welchem der/welcher dem/welchem denen/welchen
Akkusativ den/welchen die/welche das/welches die/welche

2.6.6 Interrogativpronomen (fragendes Fürwort)

  • wer/was
  • welcher/welche/welches
  • was für ein/was für welche
Nominativ wer/was
Genitiv wessen
Dativ wem
Akkusativ wen
Singular
maskulin feminin neutral
Nominativ welcher welche welches
Genitiv welches welcher welches
Dativ welchem welcher welchem
Akkusativ welchen welche welches
Plural
Nominativ welche
Genitiv welcher
Dativ welchen
Akkusativ welche
Singular
maskulin feminin neutral
Nominativ was für ein was für eine was für ein
Genitiv was für eines was für einer was für eines
Dativ was für einem was für einer was für einem
Akkusativ was für einen was für eine was für ein
Plural
Nominativ was für welche
Genitiv was für welcher
Dativ was für welchen
Akkusativ was für welche

2.6.7 Indefinitpronomen (unbestimmtes Fürwort)

  • alle
  • ein paar
  • einer
  • einige
  • eizelne
  • etliche
  • etwas
  • irgendeiner
  • irgendetwas
  • irgendjemand
  • irgendwelche
  • jeder
  • jedermann
  • jeglicher
  • jemand
  • keiner
  • man
  • mancher
  • niemand
  • nichts
  • viele
  • wenig
  • ...

2.7 Präposition

Die Präposition, auch als"Verhältniswort" bezeichnet, zeigt auf, in welcher Beziehung ein Substantiv in örtlicher, zeitlicher und begründender Hinsicht zu einem anderen steht. Viele der Präpositionen können gleichzeitig mehrere dieser Verhältnisse abbilden. Dem Wortsinn der ersten Silbe "Prä" entsprechend stehen sie häufig "vor" einem weiteren Element, wie in "aufgrund der Tatsache". Die deutsche Sprache kennt jedoch ebenso nachgestellte Präpositionen, wie in der Wendung "der Tante zuliebe".

Typ Präposition Beispiele
lokal (Wo? / Wohin?) an, hinter, in, neben, vor, über, unter, zu, ...
temporal (Wann?) ab, bis, gegen, in, nach, seit, um, vor, während, ...
modal (Wie?) außer, mit, ohne, gegen, ...
kausal (Warum? / Weshalb?) aufgrund, dank, durch, gemäß, infolge, trotz, wegen, ...
Präpositionen, die Genitiv verlangen anstelle, hinsichtlich, infolge, trotz, unweit, während, ...
Präpositionen, die Dativ verlangen aus, außer, bei, mit, nach, nahe, samt, seit, von, ...
Präpositionen, die Akkusativ verlangen bis, durch, für, gegen, ohne, um, wider, ...
Präpositionen, die Dativ/Akkusativ verlangen an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, ...

2.8 Konjunktion

Die Konjunktion, auch als "Bindewort" oder "Fügewort" bezeichnet, tritt als Verbindungselement auf. Sie reiht einzelne Wörter und Wortgruppen sowie Hauptsätze und Nebensätze aneinander und fügt sie sinngemäß zusammen.

nebenordnende Konjunktionen aber, außer, denn, doch, oder, sondern, und, ...
unterordnende Konjunktionen aber, als, bevor, da, damit, dass, ob, weil, ...

2.9 Interjektion

Zur Interjektion, auch als "Empfindungswort" oder "Ausrufewort" bezeichnet, zählen Wörter, Laute und Wortverbindungen, die eine Empfindung, eine Haltung oder eine anderweitige Äußerung zum Ausdruck bringen.

Aufforderungswörter ahoi, ey, hallo, hey, prost, pst, ...
Gesprächswörter äh, aha, ähm, genau, hm, ja, okay, tja, ...
Grußwörter hallo, hi, huhu, moin, tschüss, ...
Inflektive ächz, grins, kotz, seufz, würg, ...
Lock- und Scheuchlaute hüh, husch-husch, miez-miez, putt-putt, ...
Nachahmungen hatschi, klirr, klong, peng, rums, ...
Symptominterjektionen ach, aha, hoppla, huch, igitt, nanu, uups, ...
Wörter aus anderen Wortarten Donnerwetter, man, Mensch, Mist, verdammt, ...

2.10 Numerale

Zu den Numeralien, auch als "Zahlwörter" bezeichnet, gehören Begriffe, die für eine bestimmte oder unbestimmte Anzahl, Menge oder für einen Rang stehen.

Kardinalzahlen eins, zwei, drei, ...
Ordinalzahlen erste, zweite, dritte, ...
Unbestimmte Zahlwörter allerlei, alles, einige, etwas, mehrere, viele, ...
Wiederholungszahlwörter bestimmt: einmal, zweimal, dreimal, ...
unbestimmt: manchmal, mehrmals, ...
Vervielfältigungszahlwörter einfach, zweifach, dreifach, ...
Gattungszahlwörter einerlei, zweierlei, dreierlei, ...
Bruchzahlen achtel, drittel, halb, viertel, ...

3. Alternative Form: Die "Fünf-Wortarten-Lehre" nach Hans Glinz

Als Alternative zur traditionellen "Zehn-Wortarten-Lehre" verbreitete sich in der deutschen Grammatik ab den 1950er-Jahren die sogenannte "Fünf-Wortarten-Lehre" nach Glinz. Diese Ordnung geht auf den Schweizer Sprachwissenschaftler Hans Glinz, einen der Kritiker der Zehn-Wortarten-Lehre, zurück. Die von ihm erdachte Einteilung besteht aus...

  1. dem Verb
  2. dem Substantiv oder Nomen,
  3. dem Adjektiv,
  4. dem Artikel beziehungsweise Pronomen in der Funktion des Begleiters sowie eines Stellvertreters und
  5. dem sogenannten "Partikel", welcher als Präposition, Interjektion, Adverb und als Konjunktion im Satzgefüge auftritt.

Innerhalb dieser "Fünf-Wortarten" teilt Glinz die Wörter jeweils nach "flektierbar" und "nicht flektierbar" ein. Das bedeutet, er unterscheidet sie danach, ob und wie sie sich im Satzgefüge verändern beziehungsweise anpassen. Zudem stellt er noch das Adjektiv als "steigerbar" dem "nicht steigerbaren" Pronomen gegenüber.
Hans Glinz wollte mit dieser Arbeit einen Gegenvorschlag zum nach seiner Meinung zu "abstrakten" Grammatiksystem der "Zehn-Wortarten-Lehre" schaffen. Sein Neuansatz setzte sich aber nie durch. Bis heute gilt die Zehn-Wortarten-Lehre als Standardform der deutschen Grammatik.

4. Klassifizierung: Worte und ihre systematische Gliederung nach Kriterien

Die einzelnen Wortarten lassen sich in folgende Kriterien unterteilen, die bei der Bestimmung von Wortarten meist miteinander kombiniert werden:

  • Der semantische Gesichtspunkt erfasst sie nach ihrer Bedeutung. So gibt beispielsweise das Verb, auch "Tätigkeitswort" genannt, unter anderem eine Handlung wieder.
  • Neben der semantischen Sichtweise kann die Klassifikation aus der sogenannten morphosyntaktischen Perspektive erfolgen. Der Ausdruck "Morphosyntax" setzt sich aus den Worten "Morphologie", also der "Formenlehre" und "Syntax", der "Lehre des Satzes" zusammen. Diese Perspektive steht in der Regel bei der Bestimmung von Wortarten im Vordergrund und fragt nach, wie Wörter sich verändern, ob sie flektierbar sind und wenn ja wie sie sich in deklinierbare und konjugierbare Wörter aufsplitten. Mehr dazu findet ihr hier.
  • Ein drittes Kriterium, "syntaktisch" genannt, beleuchtet eher die grammatikalische Funktion (etwa Subjekt oder Objekt) des jeweiligen Wortes als Satzelement.

4.1 Die morphosyntaktische Perspektive als wichtigste Perspektive bei der Bestimmung von Wortarten

Nach morphosyntaktischen Gesichtspunkten betrachtet unterscheiden sich Wortarten bei der...

4.1.1 Der Begriff der "Konjugation" und seine Bedeutung

"Konjugation", auch als Beugung oder Abwandlung bezeichnet, meint in der Grammatik die Bildung unterschiedlicher Formen. Allerdings wird der Begriff nur im Zusammenhang mit einem Verb gebraucht. Es wird "konjugiert". Der optionale Name "Zeitwort", für das Verb, verdeutlicht bereits eine der Möglichkeiten, es zu beugen. Es gibt die verschiedenen Zeitformen eines Satzes wieder. Im Präsens heißt es etwa "sie geht", in der Vergangenheitsform, dem Präteritum "sie ging" und in der Zukunft (Futur I) "sie wird gehen". Daneben verändert sich ein Verb hinsichtlich der Person ("Ich gehe, du gehst"), des Numerus, also der Anzahl ("wir gehen, ihr geht"), des Modus (Konjunktiv beziehungsweise Imperativ) und des Genus, also ob etwas im "Aktiv" oder im "Passiv" abläuft.

4.1.2 Die "Deklination" – ihre Bedeutung und die Anwendung

"Deklinieren" bedeutet im grammatikalischen Sinn ebenfalls "beugen". Dabei verändern sich die Wörter in ihrem Fall, dem "Kasus", im Geschlecht, dem "Genus" und hinsichtlich der Zahl, auch als "Numerus" bezeichnet. Die "Deklination" legt die Grammatikregeln für diese Vorgänge fest. Dekliniert werden aus den einzelnen Wortarten vor allen Dingen Substantive, Artikel sowie Pronomen und Adjektive. Dadurch verändert sich etwa der Satzbestandteil "das rote Kleid" je nach Zusammenhang zu "die roten Kleider", "des roten Kleides" und "den roten Kleidern".
Die beiden Begriffe besitzen somit – je nach der Art des Wortes – eine ähnliche Aussage und Bedeutung.

4.1.3 Die einzelnen Wortarten – sind sie "flektierbar" oder nicht?

Der Begriff "Flektierbarkeit" meint allgemein die Veränderung der Form. Im Satzgefüge werden somit Wörter oder Wortgruppen grammatikalisch abhängig vom Fall (Kasus), der Anzahl (Numerus) und der Zeitform gebeugt, also in ihrer Gestalt angepasst. Neben den konjugierbaren Verben und den deklinierbaren Substantiven oder Pronomen existieren einige nicht "flektierbare" Wörter beziehungsweise Wortarten. Dazu zählen die Adverbien, fast alle Zahlwörter (eine Ausnahme bildet "eins"), die Präpositionen und die Konjunktionen. Sie liegen jeweils nur in einer Form vor. Nach der "Fünf-Wortarten-Lehre" von Hans Glinz sind somit die "Partikel" nicht flektierbar und bleiben unverändert.

5. Wortarten Tabelle

Welche Wortarten sind veränderlich (flektierbar) und welche sind unveränderlich (nicht flektierbar)? Die beiden folgenden Tabellen liefern Antworten anhand von Beispielen.

Veränderliche Wortarten Beispiele
Nomen (Namenwort) der Hund, des Hundes, die Hunde, den Hunden usw.
Verb (Tätigkeitswort) ich gehe, du gehst, er geht, wir sind gegangen usw.
Adjektiv (Eigenschaftswort) das alte Auto, ein altes Auto, ältestes Auto usw.
Artikel (Begleiter) der, des, den, dem, die, der, den, einem, eines, einen usw.
Pronomen (Fürwort) er, ihn, ihm, euch, einer, einem, meine, meines, ihr, eurer usw.
Numerale (Zahlwort) der dritte Platz, auf dem dritten Platz usw.
Unveränderliche Wortarten Beispiele
Adverb (Umstandswort) endlich, morgens, nicht, nochmal, unterwegs usw.
Präposition (Verhältniswort) anstatt, aufgrund, bei, gegen, von, zugunsten usw.
Konjunktion (Bindewort) dabei, dazu, doch, jedoch, zudem usw.
Interjektion (Empfindungswort) aha, halleluja, hey, huhu, wow usw.

6. Wortarten bestimmen: die unterschiedlichen Wortarten und ihre richtige Einordnung

Jede Wortart hat bestimmte Merkmale und Funktionen, die ihr eigen sind. Durch das Bestimmen der Wortart eines bestimmten Wortes kann man verstehen, wie es sich in einem Satz verhält, welche Rolle es spielt und wie es mit anderen Wörtern interagiert. Das Bestimmen von Wortarten ist aus mehreren Gründen wichtig:

  • Grammatik: Das Bestimmen der Wortarten ermöglicht uns ein besseres Verständnis für die Struktur und Regeln einer Sprache und ist von elementarer Bedeutung beim Erlernen der Grammatik und beim Aufbau korrekter Sätze.
  • Satzanalyse: Die Bestimmung der Wortarten ermöglicht es, die Funktionen von Wörtern innerhalb eines Satzes zu identifizieren. Man kann erkennen, welches Wort das Subjekt, das Verb, das Objekt usw. ist. Dies erleichtert das Verständnis der Satzstruktur.
  • Satzumstellung: Durch das Erkennen der Wortarten kann man die Wortreihenfolge innerhalb eines Satzes verändern, um die Aussage oder den Fokus zu ändern, ohne die grammatischen Regeln zu verletzen.
  • Stil und Ausdruck: Das Wissen um die verschiedenen Wortarten ermöglicht es, den Sprachstil zu variieren und Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern. Man kann bspw. bewusst Adjektive, Adverbien oder Verben verwenden, um eine bestimmte Atmosphäre oder Bildhaftigkeit zu erzeugen.

6.1 Wortarten bestimmen anhand eines Beispielsatzes:

Konkrete Sätze verdeutlichen die Bestimmung der Wortarten eher als Theorie und Grammatikregeln. Folgende Textpassage veranschaulicht sie beispielhaft:

6.1.1 Agenda: Farbeinteilung der Wortarten

Für ein besseres Verständnis des Beispielsatzes wurde für jede Wortart eine unterschiedliche Farbe ausgewählt:

  1. Nomen
  2. Verb
  3. Adjektiv
  4. Adverb
  5. Artikel
  6. Pronomen, Possessivpronomen
  7. Präposition
  8. Konjunktion
  9. Interjektion
  10. Numerale

6.1.2 Analyse: Wortartenbestimmung

Zunächst lassen sich jetzt die Worte "Mantel" ebenso wie "Spaziergang", "Stunden", "Weg" und "Wiesen" als Substantive (Nomen) leicht einordnen. Substantive werden durchweg großgeschrieben und stehen – wie in diesen konkreten Fällen – jeweils für eine Sache, für ein Lebewesen beziehungsweise etwas Abstraktes. Zudem können Nomen generell mit einem Artikel versehen werden. In unserem Beispiel betrifft dies "der" als einen (bestimmten) Artikel.

"Trägt", "geht spazieren", "dauert" und "führt" stammen als Verben (Zeitwörter) von den Handlungen beziehungsweise Tätigkeiten "tragen", "spazieren gehen", "dauern" sowie "führen". Anhand der aufgeführten Verben lässt sich die Zeitform Gegenwart (Präsens) erkennen.

Das Wort "Ihren" macht ein bestehendes Besitzverhältnis deutlich. Es fungiert hier als Possessivpronomen, also ein "besitzanzeigendes Fürwort".

"Sie" und "ihr" stehen für die Mantel tragende Spaziergängerin. Sie sind damit die Stellvertreter etwa eines Namens und in diesem Text gleichzeitig Pronomen. Das Wort "grün" beschreibt das Substantiv "Mantel" näher. Es stellt somit ein Adjektiv dar. Genauso verhält es sich mit den oben erwähnten "blühenden" Wiesen.

"Und" stellt eine Verbindung (Konjunktion) zwischen zwei einzelnen Satzteilen her. Das Adverb "heute" definiert den Zeitpunkt des Spaziergangs genauer. Als weiteres Adverb betont "schon", wie lange er bereits anhält. Das Zahlwort (Numerale) "zwei" lässt sich ebenfalls sicher und einfach bestimmen. Als Numerale werden Wörter bezeichnet, die einen Bezug zu Zahlen haben.

Das Wort "über" tritt in unserem Fallbeispiel als eine Präposition (Verhältniswort) auf. Es zeigt hier in der Funktion eines Verhältniswortes, wie der Weg des Spaziergangs verläuft und bezieht sich darauf.

Der erste Laut der Beispielsätze bildet den Schluss dieser Analyse und Untersuchung. Die Äußerung "ach" ist in diesem Zusammenhang eine Interjektion, ein sogenanntes "Empfindungs- und Ausrufewort".

Über den Autor
Silvan Maaß ist Diplom-Kommunikationswirt (dab) sowie Mitbegründer der Sprachnudel, wodurch er sich seit über 17 Jahren beinahe täglich mit angewandter Linguistik und Wortschatzentwicklung beschäftigt. Die Lebendigkeit der Sprache hat es ihm besonders angetan. Daher interessiert er sich insbesondere für Themenfelder der Linguistikforschung wie bspw. Okkasionalismen und Neologismen.