Wortarten

Die deutsche Grammatik kennt verschiedene Wortarten. Welche das sind und was es damit auf sich hat, könnt Ihr auf dieser Seite nachlesen.

INHALTSVERZEICHNIS

1. Definition: Wortarten - die deutsche Sprache und ihre Ordnung

Die Grammatik oder Sprachlehre betrachtet und behandelt eine Sprache als Ganzes. Sie gibt ihr bindende Regeln und zugleich eine Art Bauplan. Dadurch legt sie fest, wie Worte gebildet beziehungsweise angepasst werden und auf welche Weise sie im Satzgefüge ihren Platz finden.
Der Begriff "Wortart", mitunter auch "Wortklasse" genannt, steht für Wörter mit gleichen oder ähnlichen Merkmalen und Funktionen innerhalb eines Satzes. Die Wortartlehre strebt deren methodische Klassifizierung an und ordnet sie ein. Damit bildet sie einen wichtigen Teilaspekt der Grammatik.

2. Klassifizierung: Worte und ihre systematische Gliederung nach Kategorien

Die einzelnen Wortarten lassen sich in verschiedene Kriterien unterteilen.

  • Der semantische Gesichtspunkt erfasst sie nach ihrer Bedeutung (daher der Begriff "Semantik"). So gibt beispielsweise das Verb, auch "Tätigkeitswort" genannt, unter anderem eine Handlung wieder.
  • Neben der semantischen Sichtweise kann die Klassifikation aus der sogenannten morphosyntaktischen Perspektive erfolgen. Der Ausdruck "Morphosyntax" setzt sich aus den Worten "Morphologie", also der "Formenlehre" und "Syntax", der "Lehre des Satzes" zusammen. Dieser Aspekt fragt nach, wie Wörter sich verändern, wie sie gebeugt werden und welche Formen sie dabei ausbilden können.
  • Ein drittes Kriterium, "syntaktisch" genannt, beleuchtet eher die grammatikalische Funktion (etwa Subjekt oder Objekt) des jeweiligen Wortes als Satzelement.

Meist werden für die Analyse eines Textes die einzelnen Gesichtspunkte kombiniert und herangezogen.

2.1 Wortarten Übersicht: Die klassische "Zehn-Wortarten-Lehre" in der deutschen Grammatik

Mit den allgemeinen Regeln der deutschen Sprache bildete sich auch die Klassifikation ihrer einzelnen Wörter heraus. Die traditionelle Einteilung nach der "Zehn-Wortarten Lehre" war lange Zeit Standard bei der Grammatik und dem Deutschunterricht der Schulen. Experten führen diese Theorie teilweise bis auf antike Ursprünge im Griechischen und Lateinischen zurück. Sie benennt als individuelle Wortarten...

  1. das Substantiv, auch als "Nomen", "Hauptwort" oder "Namenwort" bezeichnet. Es steht für Dinge, für Lebewesen oder für etwas Abstraktes wie "die Seele" und "der Traum".
  2. das Verb, also das "Zeit-" oder "Tätigkeitswort", beispielsweise "gehen", "schwimmen" und "schreiben". Es drückt eine Handlung, einen Zustand und mitunter einen Vorgang aus.
  3. das Adjektiv oder "Eigenschaftswort". Es dient einer detaillierten Beschreibung anderer Wörter und Satzbestandteile. So charakterisieren Begriffe wie "rot", "klein" und "dunkel" Gegenstände oder Personen genauer.
  4. das Adverb, beziehungsweise "Umstandswort" wie beispielsweise "später". Adverbien erklären Verben, Adjektive oder den ganzen Satz näher. Sie beziehen sich somit auf andere Wörter und machen einzelne Sachverhalte deutlich.
  5. den – bestimmten oder unbestimmten – Artikel beziehungsweise das "Geschlechtswort" wie zum Beispiel "der", "die" "eine" und "unseres".
  6. das Pronomen, mitunter auch als "Fürwort" bezeichnet. Pronomen fungieren als vielfältige Stellvertreter in Wendungen wie "Sie kommen zu unserer Feier", die in diesem Fall auf den Satz Bezug nimmt "alle engen Freunde sind eingeladen". Die deutsche Grammatik listet sieben unterschiedliche Arten von Fürwörtern auf, zum Beispiel das Demonstrativpronomen ("dies") oder das Reflexivpronomen ("dich").
  7. die Präposition, das sogenannte "Verhältniswort", etwa "wegen", "statt" oder "vor". Sie zeigt auf, in welcher Beziehung ein Substantiv in örtlicher, zeitlicher und begründender Hinsicht zu einem anderen steht. Viele der Präpositionen können gleichzeitig mehrere dieser Verhältnisse abbilden. Dem Wortsinn der Silbe ersten "Prä" entsprechend stehen sie häufig "vor" einem weiteren Element, wie in "aufgrund der Tatsache". Die deutsche Sprache kennt jedoch ebenso nachgestellte Präpositionen, wie in der Wendung "der Tante zuliebe".
  8. die Konjunktion oder das sogenannte "Bindewort" tritt als Verknüpfungselement auf. Begriffe wie "und", "also" oder "auch" reihen einzelne Wörter beziehungsweise Satzglieder aneinander und fügen sie sinngemäß zusammen.
  9. die Interjektion oder das "Ausrufewort". Als Interjektionen gelten einzelne Wörter, Laute und Wortverbindungen, die eine Empfindung, eine Haltung oder eine anderweitige Äußerung zum Ausdruck bringen. Beispiele hierfür sind etwa "hurra", "hoppla" und "pfui".
  10. die Numerale, also die "Zahlwörter". Dazu gehören alle Begriffe, die für eine bestimmte oder unbestimmte Menge und Zahl stehen. Beispiele sind "einer", "die Hälfte" sowie "zweimal".

Die Betrachtungsweise dieser "Zehn-Wortarten-Lehre" stieß mit den Jahren immer häufiger auf Kritik. Wissenschaftler und Praktiker bemängelten, es gebe keine einheitliche Klassifizierung beziehungsweise durchgehende Systematik. Zudem meinten viele Stimmen, die Kriterien würden sich überschneiden und teilweise sogar widersprechen. So gingen Sprachexperten auf die Suche nach anderen Lösungen.

2.2 Die "Fünf-Wortarten-Lehre" nach Hans Glinz

Als Alternative zur traditionellen "Zehn-Wortarten-Lehre" setzte sich in der deutschen Grammatik ab den 1950er-Jahren mehr und mehr die sogenannte "Fünf-Wortarten-Lehre" nach Glinz durch. Diese Ordnung geht auf den Schweizer Sprachwissenschaftler Hans Glinz, einen der Kritiker der althergebrachten Sichtweise, zurück. Die von ihm erdachte Einteilung besteht aus...

  1. dem Verb
  2. dem Substantiv oder Nomen,
  3. dem Adjektiv,
  4. dem Artikel beziehungsweise Pronomen in der Funktion des Begleiters sowie eines Stellvertreters und
  5. dem sogenannten "Partikel", welcher als Präposition, Interjektion, Adverb und als Konjunktion im Satzgefüge auftritt.

Innerhalb dieser "Fünf-Wortarten" teilt Glinz die Wörter jeweils nach "flektierbar" und "nicht flektierbar" ein. Das bedeutet, er unterscheidet sie danach, ob und wie sie sich im Satzgefüge verändern beziehungsweise anpassen. Zudem stellt er noch das Adjektiv als "steigerbar" dem "nicht steigerbaren" Pronomen gegenüber.
Hans Glinz wollte mit dieser Arbeit einen Gegenvorschlag zum nach seiner Meinung zu "abstrakten" Grammatiksystem der "Zehn-Wortarten-Lehre" schaffen.

2.3 Weitere Möglichkeiten zur Klassifikation der einzelnen Wortarten

Neben den erwähnten semantischen, morphosyntaktischen oder syntaktischen Gesichtspunkten unterscheiden sich die Wortarten auch in anderer Hinsicht. Dies betrifft ihre Eigenschaften bei...

2.3.1 Der Begriff der "Konjugation" und seine Bedeutung

"Konjugation", auch als Beugung oder Abwandlung bezeichnet, meint in der Grammatik die Bildung unterschiedlicher Formen. Allerdings wird der Begriff nur im Zusammenhang mit einem Verb gebraucht. Es wird "konjugiert". Der optionale Name "Zeitwort", für das Verb, verdeutlicht bereits eine der Möglichkeiten, es zu beugen. Es gibt die verschiedenen Zeitformen eines Satzes wieder. Im Präsens heißt es etwa "sie geht", in der Vergangenheitsform, dem Präteritum "sie ging" und in der Zukunft "sie wird gehen". Daneben verändert sich ein Verb hinsichtlich der Person ("Ich gehe, du gehst"), des Numerus, also der Anzahl ("wir gehen, ihr geht"), des Modus (Konjunktiv beziehungsweise Imperativ) und des Genus, also ob etwas im "Aktiv" oder im "Passiv" abläuft.

2.3.2 Die "Deklination" – ihre Bedeutung und die Anwendung

"Deklinieren" bedeutet im grammatikalischen Sinn ebenfalls "beugen". Dabei verändern sich die Wörter in ihrem Fall, dem "Kasus", im Geschlecht, dem "Genus" und hinsichtlich der Zahl, auch als "Numerus" bezeichnet. Die "Deklination" legt die Grammatikregeln für diese Vorgänge fest. Dekliniert werden aus den einzelnen Wortarten vor allen Dingen Substantive, Artikel sowie Pronomen und Adjektive. Dadurch verändert sich etwa der Satzbestandteil "das rote Kleid" je nach Zusammenhang zu "die roten Kleider", "des roten Kleides" und "den roten Kleidern".
Die beiden Begriffe besitzen somit – je nach der Art des Wortes – eine ähnliche Aussage und Bedeutung.

2.3.3 Die einzelnen Wortarten – sind sie "flektierbar" oder nicht?

Der Begriff "Flektierbarkeit" meint allgemein die Veränderung der Form. Im Satzgefüge werden somit Wörter oder Wortgruppen grammatikalisch abhängig vom Fall, der Anzahl und der Zeitform gebeugt, also in ihrer Gestalt angepasst. Neben den konjugierbaren Verben und den deklinierbaren Substantiven oder Pronomen existieren einige nicht "flektierbare" Wörter beziehungsweise Wortarten. Dazu zählen die Adverbien, fast alle Zahlwörter (eine Ausnahme bildet "eins"), die Präpositionen und die Konjunktionen. Sie liegen jeweils nur in einer Form vor. Nach der "Fünf-Wortarten-Lehre" von Hans Glinz sind somit die "Partikel" nicht flektierbar und bleiben unverändert.

2.4 Wortarten Tabelle

Veränderliche (deklinierbare) Wortarten Unveränderliche (undeklinierbare) Wortarten
Nomen Adverb
Verb Präposition
Adjektiv Konjunktion
Artikel Interjektion
Pronomen
Numerale

3. Wortarten bestimmen: die unterschiedlichen Wortarten und ihre richtige Einordnung

Konkrete Sätze verdeutlichen die Bestimmung der Wortarten eher als Theorie und Grammatikregeln. Folgende Textpassage veranschaulicht sie beispielhaft:

Zunächst lassen sich jetzt die Worte "Mantel" ebenso wie "Spaziergang", "Stunden", "Weg" und "Wiesen" als Substantive (Nomen) leicht einordnen. Substantive werden durchweg großgeschrieben und stehen – wie in diesen konkreten Fällen – jeweils für eine Sache, für ein Lebewesen beziehungsweise etwas Abstraktes. Zudem können Nomen generell mit einem Artikel versehen werden. In unserem Beispiel betrifft dies "der" als einen (bestimmten) Artikel.

"Trägt", "geht" und "führt" stammen als Verben (Zeitwörter) von den Handlungen beziehungsweise Tätigkeiten "tragen", "gehen" sowie "führen". Anhand der aufgeführten Verben lässt sich die Zeitform Gegenwart (Präsens) erkennen.

Das Wort "Ihren" macht ein bestehendes Besitzverhältnis deutlich. Es fungiert hier als Possessivpronomen, also ein "besitzanzeigendes Fürwort".

"Sie" und "ihr" stehen für die Mantel tragende Spaziergängerin. Sie sind damit die Stellvertreter etwa eines Namens und in diesem Text gleichzeitig Pronomen. Das Wort "grün" beschreibt das Substantiv "Mantel" näher. Es stellt somit ein Adjektiv dar. Genauso verhält es sich mit den oben erwähnten "blühenden" Wiesen.

"Und" stellt eine Verbindung (Konjunktion) zwischen zwei einzelnen Satzteilen her. Das Adverb "heute" definiert den Zeitpunkt des Spaziergangs genauer. Als weiteres Adverb betont "schon", wie lange er bereits anhält. Das Zahlwort (Numerale) "zwei" lässt sich ebenfalls sicher und einfach bestimmen. Als Numerale werden Wörter bezeichnet, die einen Bezug zu Zahlen haben.

Das Wort "über" tritt in unserem Fallbeispiel als eine Präposition (Verhältniswort) auf. Es zeigt hier in der Funktion eines Verhältniswortes, wie der Weg des Spaziergangs verläuft und bezieht sich darauf.

Der erste Laut der Beispielsätze bildet den Schluss dieser Analyse und Untersuchung. Die Äußerung "ach" ist in diesem Zusammenhang eine Interjektion, ein sogenanntes "Empfindungs- und Ausrufewort".