Jugendsprache & Jugendwörter

Eines vorweg: DIE Jugendsprache gibt es nicht. Bei der Jugendsprache handelt es sich vielmehr um eine Sprache, die sich unter Jugendlichen gebildet hat, die Gruppen sowie regionalen Sprachunterschieden unterliegt und sich im permanenten Wandel befindet.
Besondere Merkmale der Sprache sind u. a. fremdsprachliche Anleihen meist aus dem Englischen (Bsp: Burner), Bedeutungsverschiebungen (Bsp: porno) sowie eine erhebliche Portion Kreativität, die sich in zahlreichen Wortneuschöpfungen (Bsp: entbieren) widerspiegelt.
Mittlerweile gibt es sogar das ein oder andere Wörterbuch der Jugendsprache im Handel zu kaufen. Fast jährlich werden darin neue Wortkreationen veröffentlicht. Wer das Geld hierfür lieber sparen möchte kann auch einen Blick auf unsere Seite riskieren.

INHALTSVERZEICHNIS

1. Definition: Was ist Jugendsprache?

Die Gesellschaft für Deutsche Sprache verwendet online folgende Definition, um festzustellen, was unter Jugendsprache verstanden werden kann:

Somit gibt es nicht nur eine klar definierte Jugendsprache, sondern es kommen zahlreiche Varianten von "Mikrosprachen" vor, die unterschiedlichen Gruppen von jungen Leuten in verschiedenen Kommunikationssituationen nutzen.
Jugendsprachliche Elemente sind einem ständigen, zeitlichen Wandel unterworfen. Viele Begriffe, die zum Beispiel in den 1970er und 1980er Jahren von Jugendlichen verwendet wurden, wirken auf die heutige Generation wie aus der Zeit gefallen (zum Beispiel das Wort "steiler Zahn" als Bezeichnung für eine attraktive Frau).
Wenn man zeitlich in die Jahrhundertwende bis 1900 zurückschaut, tauchen jugendsprachliche Begriffe wie "Laffe" oder "Camuff" auf, von denen heute selbst die wenigsten Erwachsenen wissen dürften, dass sie jugendsprachliche Bezeichnungen für einen Mann darstellten.

2. Welche Merkmale kennzeichnen die Jugendsprache?

Die heutige Jugendsprache, also in den 2020er Jahren, ist geprägt von Übertreibungen, Wortverschmelzungen und Humor. Außerdem wird sie in den letzten Jahren zunehmend von Begriffen aus der digitalen Welt beeinflusst.
Die junge Generation beschäftigt sich ausgiebig mit sozialen Medien wie Instagram, Facebook, WhatsApp, Snapchat und TikTok. Daher hat die Benutzung dieser sozialen Netzwerke und Messenger auch erheblichen Einfluss auf die aktuellen Entwicklungen in der heutigen Jugendsprache. Viel mehr als in früheren Jahrzehnten kommunizieren Jugendliche heute schriftlich per SMS, Chat oder mit Hilfe anderer Messenger-Dienste. In diesen spielen Abkürzungen und Akronyme (zum Beispiel "LOL" für "Laughing Out Loud") oder "YOLO" ("You Only live once") eine große Rolle.

Bedingt durch die zunehmende Globalisierung und interkulturelle Einflüsse spielen natürlich auch Einflüsse aus anderen Sprachen eine große Rolle. Anglizismen wie zum Bespiel das Wort "lost" (für: sich ahnungslos, ideenlos, verloren, überfordert fühlen) werden gerne von Jugendlichen eingesetzt. "Lost" war auch bei einer vom Langenscheidt-Verlag initiierten Umfrage das Jugendwort des Jahres 2020.
Seit den 1990er Jahren zunehmend verbreitete Ethnolekte, wie das Kiezdeutsch ("Isch geh Bahnhof" oder "Lassma Viktoriapark gehen"), werden von Jugendlichen aus Wohngebieten mit hohem Migrantenanteil ebenfalls häufig verwendet.

3. Welche Abgrenzungen zu anderen deutschen Sprachvarietäten gibt es?

Jugendsprache grenzt sich von der Standardsprache und der Umgangssprache ab.
Standardsprache ist die hochsprachliche Sprachform, die in der Öffentlichkeit gesprochen und geschrieben und in den Schulen gelehrt wird. Sie ist im Duden und in Wörterbüchern zu finden. Im Gegensatz zur Standardsprache spricht man die Umgangssprache im privaten Bereich. Gelegentlich wirkt sie etwas derb.

Auch die Jugendsprache enthält umgangssprachliche Bestandteile, ebenso wie sie teilweise standardsprachlich erscheint.
Jugendsprachlich könnte man die oben genannte, umgangssprachliche "Kohle" durch "Tacken" ersetzen und hätte die gleiche Bedeutung des Satzes. Oder man würde sagen:

Jugendsprache sprechen die Jugendlichen untereinander. Teile der aktuellen Jugendsprache ist für Erwachsene nahezu unverständlich, wenn sie nicht von den Jüngeren in die Bedeutung der Wörter eingeweiht wurden. Mittlerweile gibt es auch von verschiedenen Verlagen Wörterbücher der Jugendsprache, die regelmäßig aktualisiert werden, doch es ist schwierig, dieses flüchtige, vielschichtige und uneinheitliche Phänomen in einem Buch realitätsnah abzubilden.

4. Was ist der Unterschied zwischen Jugendsprache und die der Erwachsenen?

Erwachsene benutzen in der Öffentlichkeit in der Regel die Standardsprache, um mit anderen zu kommunizieren. Gelegentlich kommen auch umgangssprachliche Begriffe vor. Dies hängt von individuellen Vorlieben und der jeweiligen Gesprächssituation ab. Manchmal benutzen auch Erwachsene jugendsprachliche Elemente, um zu demonstrieren, dass sie sich immer noch den Jüngeren dazugehörig fühlen oder um anderen mitzuteilen, was ihnen an der Sprechweise der jüngeren Generation auffällt oder missfällt.
Jugendsprache enthält viel mehr Neologismen als die Standardsprache. Das bedeutet, viele Wörter und Sätze, die die Jüngeren äußern, sind noch nicht in Wörterbüchern enthalten.

5. Warum wollen Jugendliche anders sprechen als Erwachsene?

Jugendliche wollen ihren eigenen Platz in der Welt finden. Sie suchen sich dabei selbst und wollen eigene Entscheidungen treffen. Um selbstständig und abgelöst von den Eltern leben zu können, ist es für sie notwendig, sich von den Älteren und auch anderen Gruppen Jugendlicher bewusst abzugrenzen. Für manche von ihnen geht die Abgrenzung noch weiter und ist ein Ausdruck von Protest oder Rebellion.
Die Verwendung einer eigenen Sprache dient sowohl der Selbstinszenierung als auch der Identitätsbildung.
Damit demonstriert die Gruppe nach außen hin: "Das sind wir. Nur wir benutzen diese Worte. Ihr anderen versteht unsere Sprache nicht und ihr gehört auch nicht dazu." Die gemeinsame Sprache und Wortwahl hält die Gruppe im Inneren zusammen.
Die jugendsprachlichen Begriffe werden auch von den Nutzern weiterentwickelt. Interessante, beliebte Wortkreationen offenbaren Innovationsbereitschaft und spielerische Aspekte bei den Jugendlichen.
Die Flucht in ihre eigene Sprachwelt verschafft den Jugendlichen auch die Möglichkeit der affektiven Entlastung. Gerade Heranwachsende erleben oftmals die eigenen Gefühle besonders stark und nutzen dann im Dialog mit Gleichgesinnten jugendsprachliche Begriffe als Ventil.
Eine von Sparsamkeit und Sprachökonomie geprägte Jugendsprache, die Abkürzungen und Verknappungen nutzt: "Läuft bei dir!" (oder noch kürzer: "Läuft") passt gut zur Einsilbigkeit vieler Jugendlicher, die nicht gerne viel erklären möchten, sondern mit nur einem Wort oder einer Phrase ausdrücken, wie es ihnen gerade geht.
Jugendliche sehnen sich nach Echtheit und Glaubwürdigkeit. Indem sie sprachliche Mittel nutzen, die zu ihrer besonderen Lebenssituation als Heranwachsende passen, werden auch ihre Gespräche authentischer und glaubwürdiger.

6. Ist Jugendsprache ein Zeichen des Sprachverfalls oder ist unsere Sprache im Wandel?

Die Erwachsenen klagen schon seit Ewigkeiten über die Jugend, ihre Art zu kommunizieren und ihr Verhalten. Schon Sokrates (470-399 v.Chr.) wusste:

Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

Auch ihre Sprechweise und die von ihnen verwendeten jugendsprachlichen Begriffe sorgen häufig für Missbilligung bei Eltern, Lehrern und Vorgesetzten. Doch kann man angesichts der von den Jugendlichen verwendeten Ethnolekten, Anglizismen und fäkalsprachlichen Elementen von einem Verfall der Sprache sprechen? Da Jugendsprache fast ausschließlich von Heranwachsenden gesprochen wird und da diese zur Abgrenzung nach Außen hin neigen, hat sie nur eine geringe Wirkung auf die Standardsprache. Es kann durchaus vorkommen, dass neue Wortschöpfungen aus dem Bereich der Jugendsprache in die Standardsprache einwandern. Dies kommt allerdings nur selten vor und mindert nicht die Qualität der Standardsprache insgesamt. Zudem werden durch Einflüsse aus der Jugendsprache keine bisherigen Begriffe ersetzt. Der bestehende Wortschatz wird allenfalls um Neuschöpfungen oder Neubedeutungen ergänzt. Sprache ist dynamisch und generell einem permanenten Wandel unterworfen. Dies ist an sich nichts Negatives, sondern als ein natürlicher Prozess zu betrachten.

7. Jugendwort des Jahres

Jugendwörter gibt es viele. Doch welche sind gerade angesagt? Diese Frage beantwortet der Langenscheidt-Verlag seit 2008 jährlich. Und das waren die bisherigen Platzierungen:

2021

  1. cringe
  2. sus
  3. sheesh

2020

  1. lost
  2. cringe
  3. wild/wyld

2019

In diesem Jahr wurde kein Jugendwort gewählt.

2018

  1. Ehrenmann / Ehrenfrau
  2. glucose-haltig
  3. verbuggt

2017

  1. I bims
  2. napflixen
  3. tinderjährig

2016

  1. fly sein
  2. bae
  3. isso

2015

  1. Smombie
  2. merkeln
  3. rumoxidieren

2014

  1. Läuft bei dir
  2. Gönn dir!
  3. Hayvan

2013

  1. Babo
  2. fame
  3. gediegen

2012

  1. YOLO
  2. FU!
  3. Yalla!

2011

  1. Swag
  2. (epic) Fail
  3. guttenbergern

2010

  1. Niveaulimbo
  2. Arschfax
  3. Egosurfen

2009

  1. hartzen
  2. bam
  3. Bankster

2008

  1. Gammelfleischparty
  2. Bildschirmbräune
  3. unterhopft sein

8. Jugendwörter Liste

Die Jugendsprache verfügt über einen großen Wortschatz, der in einem stetigen Wandel ist. Zahlreiche Beispiele dafür liefert die folgende Liste, die Wörter von seicht bis derb beinhaltet.