Soziolekt

Zu Soziolekten kann auch Gruppensprache gesagt werden. Diese wird in der der Soziolinguistik, einem Teil der Sprachwissenschaften, untersucht. Unter einem Soziolekt versteht man in der Wissenschaft eine soziale Varietät (sprachliche Variante) einer Sprache. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem Dialekt, welcher eine regionale Varietät der Sprache darstellt.

INHALTSVERZEICHNIS

1. Definition: Was ist ein Soziolekt?

Das Wort Soziolekt kommt aus dem Lateinischen. Es bedeutet Sprachgebrauch einer sozialen Gruppe. Das Wort wurde als Analogie zu dem Wort Dialekt gebildet. Hierfür wurden die lexikalischen Morpheme sozio- und -lekt genutzt.
Der Soziolekt wird seit den Anfängen seiner Untersuchung uneinheitlich definiert. Zu Beginn der Soziolinguistik in den 1960er Jahren wurden den unterschiedlichen sozialen Schichten verschiedene Sprachvarianten zugeordnet. Es gab die Oberschichtsprache und die Unterschichtsprache. Später wurde versucht, die Sprachgruppen nur nach der sozialen Varietät einzuordnen, also ob die gesprochenen Wörter negativ oder positiv bewertet werden. Damit wurde die Vulgärsprache in einen Soziolekt eingeteilt.
Einige Wissenschaftler definierten den Soziolekt in der Weise, dass alle Sprachvarietäten, die nicht regional (Dialekt) sind, ein Soziolekt sind. Nach dieser Definition gibt es neben der Sprache der sozialen Schichten bspw. auch die Berufssprache, Jugendsprache, Gaunersprache oder auch Sprachen einer Hobbygruppe, wie zum Beispiel die Sprache von Wanderern.

In der Soziolinguistik wird der Begriff zunehmend verdrängt. Immer häufiger ist stattdessen von Sprachvariationen die Rede.

Um noch genauer zu verstehen, worum es sich bei einem Soziolekt handelt, schauen wir uns die nun folgende Klassifikation an.

2. Klassifikation: Wie lässt sich der Soziolekt unterteilen?

Der Begriff Soziolekt kann in Klassen unterteilt werden. Zu diesen gehören die...

2.1 Schichtspezifische Gruppensprache

Die schichtspezifischen Gruppensprache erlaubt eine Einteilung nach sozialen Schichten - also als gleichartig angesehene Bevölkerungsgruppen einer Gesellschaft, die aufgrund ihrer sozialen Merkmale einer bestimmten Schicht angehören.
In Deutschland gehört bspw. das Ruhrdeutsch zu dieser Klassifikation. Hiermit wird der mündliche Sprachgebrauch im Ruhrgebiet bezeichnet. Er wird auch ruhrpöttisch oder Kumpelsprache im Ruhrpott genannt. Diese Varietät des Hochdeutschen ist am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Das Ruhrdeutsch wurde von den niederdeutschen Mundarten in Westfalen und den alten niederfränkischen Mundarten am Niederrhein beeinflusst und weist diese Einflüsse beim Satzbau, dem Wortschatz und der Lautung immer noch auf. Die slawischen Arbeitsmigranten im Ruhrpott aus Oberschlesien, Slowenien und Polen hatten auch geringe Einflüsse auf diese Gruppensprache.
Das Ruhrdeutsch hat aber nicht immer die gleiche Ausprägung. So wird in Dortmund, aufgrund der westfälischen Einflüsse, anders gesprochen als etwa in Duisburg, wo die Sprache eher niederrheinisch geprägt ist.

2.2 Berufsbedingte Gruppensprache

Die berufsbedingten Gruppensprachen werden vor allem durch ihr Fachvokabular geprägt, das hauptsächlich durch Fachliteratur, berufsständische Statuten und andere Verschriftlichungen eingeführt werden.
Diese Gruppensprache teilt sich in zwei Bereiche auf:

2.3 Sondersprache

Sondersprachen sind nicht berufsbedingte oder schichtbedingte Gruppensprachen, wie bspw. die Studentensprache, die Schülersprache, die Jugendsprache und die Kindersprache. Darüber hinaus zählt auch die Geheimsprache (bspw. die Gaunersprache) dazu.

Der Jargon zählt ebenfalls zu den Sondersprachen. Er kann als Fachjargon (ist nicht standardisiert und somit nicht mit der Fachsprache zu verwechseln) oder als Szenejargon gesprochen werden. Zu letzterem zählt man zum Beispiel den Hip-Hop-Jargon, den Knastjargon, den Netzjargon, die Gamersprache oder die Soldatensprache. Auch die Sport- und Hobbysprachen gehören in diese Gruppe. Als Beispiel ist der Fußballjargon zu nennen.

Bezeichnend für die Sondersprache ist, dass sie nur von einem Teil der Menschen einer Sprachgemeinschaft verwendet wird, wodurch deren Mitglieder eine "Sprachkomplizenschaft" verbindet. Zudem wird sie nicht ständig genutzt, sondern nur über eine bestimmte Zeit oder in einem bestimmten Zusammenhang. Sie wird somit auch unter "temporär" beziehungsweise "transitorisch" zusammengefasst. Als Gemeinsamkeit aller Sondersprachen ist die "Suche nach Gruppenidentität" der jeweiligen Sprecher zu nennen.

3. Abgrenzungen des Soziolekts von anderen Varietäten

Welche Abgrenzungen zu anderen Varietäten gibt es? Im Folgenden klären wir auf.

3.1 Standardsprache

Unter der Standardsprache wird eine Einzelsprache verstanden, die neben weiteren Varietäten auch über mindestens eine Standartvarietät verfügt. Diese Normierung wird in Wörterbüchern und Grammatiken aufgenommen und gesammelt. Die Standardsprache wird in der Schule gelehrt und sie wird bei der Kommunikation mit Behörden genutzt. Im Grunde ist diese Sprache ein geschriebenes Kommunikationsmittel, mit der man im ganzen Land verstanden wird. Dies steht im Gegensatz zum Dialekt. Unterschiedliche Dialekte werden oft nicht verstanden. Der Soziolekt ist nur eine Varietät der Standardsprache.

3.2 Umgangssprache

Die Umgangssprache wird auch Alltagssprache genannt. Sie wird im alltäglichen Umgang genutzt. Die Umgangssprache liegt hierbei zwischen der Standardsprache und dem Dialekt. Sie wird auch in einen Gegensatz zur gepflegten Ausdrucksweise gesetzt. Bei der Umgangssprache entspricht die Ausdrucksweise keinem spezifischen Soziolekt. Es grenzen sich dadurch keine Gruppen voneinander ab, die durch den Soziolekt klassifiziert sind. Die Sprache wird durch soziale und vor allem durch regionale Gegebenheiten geprägt. Auch der Bildungsstand und die sozialen Milieus der Sprechenden sind prägend für die Umgangssprache. Man spricht in dieser Ausdrucksform auch von "Volksmund".

3.3 Dialekt

Der Dialekt ist eine regionale und lokale Sprachvarietät. Er unterscheidet sich im Lautsystem, der Grammatik und dem Wortschatz von der Standardsprache und anderen Dialekten. Hier werden keine Sprachgruppen gebildet, in denen eine bestimmte Personengruppe mit ähnlichem Hobby oder Berufshintergrund steht (wie beim Soziolekt), sondern Gruppen von Personen aus der gleichen Region.

3.4 Ethnolekt

Dieser Sprachstil wird von einer bestimmten ethnischen Minderheit gesprochen, welche sich in einem bestimmten Sprachraum befindet. Hierbei gibt es nicht einen Ethnolekt, sondern viele sogenannte "Ethnolektales". Der Ethnolekt ist eine Sonderform des Soziolekts. Er ist entstanden, da Migranten häufig Probleme mit der Landessprache des Zuzugslandes haben. Typisch ist hierbei das Problem mit der Aussprache, der kleine Wortschatz der Migranten und die nicht beherrschte Grammatik der neuen Sprache. Der Ethnolekt tritt aber auch bei im Aufnahmeland geborenen Personen auf. Diese könnten im Grunde die Standardsprache sprechen, genau wie Dialektsprecher - tun dies aber häufig nicht. Es gibt aber auch Migranten, die die Standardsprache nicht beherrschen und weiterhin den Ethnolekt sprechen und schreiben. Beim Sprechen fällt zum Beispiel der Unterschied zwischen "einen" und "ein" kaum auf. In der Schriftsprache dagegen schon. Häufig werden auch Präpositionen oder ganze Artikel bei der Richtungsangabe weggelassen, die Wörter werden nicht dekliniert und Verben werden übergeneralisiert. Dadurch entstehen Formen wie "fliegte" oder "gehte".

3.5 Idiolekt

Unter dem Idiolekt wird die individuelle Sprache einzelner Menschen bezeichnet. Hierunter versteht man die Aussprache, die Ausdrucksweise, das Sprachverhalten und den Wortschatz des Sprechers. In der Linguistik wird zum Beispiel der Idiolekt von einzelnen Sprechern, die einer Sprachgemeinschaft angehören, untersucht und somit die Merkmale des Soziolekts herausgearbeitet. Mit Hilfe der Idiolektanalyse wird in der Forensik bei der Tätersuche der Kreis der Verdächtigen eingegrenzt.