Deutsches Alphabet

Autor: Silvan Maaß

Im Wörterbuch: Alphabet

Deutsches Alphabet
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Dieser Artikel erklärt...

Wer sich mit der deutschen Sprache und ihrer Geschichte beschäftigt, kommt an einigen Besonderheiten nicht vorbei. Das deutsche Alphabet gehört zweifelsfrei dazu.

  • Hier erfahrt ihr, aus wie vielen Buchstaben das deutsche Alphabet besteht und warum die Antwort davon abhängt, was man mitzählt. Es wird gezeigt, wie die einzelnen Buchstaben ausgesprochen werden und welche Besonderheiten dabei Umlaute, Doppelbuchstaben und Affrikate mit sich bringen. Es wird auch dargelegt, wie sich ä, ö und ü sowie das ß im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben und warum das große ẞ erst seit 2017 offiziell anerkannt ist. Außerdem wird erklärt, welche Regeln bei der Groß- und Kleinschreibung im Deutschen zu beachten sind.

Interesse? Dann lies den ganzen Artikel.

1. Definition: Was ist das deutsche Alphabet?

Das deutsche Alphabet ist das offizielle Schriftsystem der deutschen Sprache und bildet die Grundlage für die schriftliche Darstellung aller deutschen Wörter und Sätze. Es basiert auf dem lateinischen Alphabet und wird deshalb auch als solches bezeichnet oder schlicht als ABC. Neben Deutschland wird das deutsche Alphabet in Österreich, Liechtenstein, Luxemburg und der Schweiz verwendet. In Liechtenstein und der Schweiz ist das ß allerdings nicht in Gebrauch; dort schreibt man stattdessen "ss". Dieser Artikel erklärt: (1) wie viele Buchstaben das deutsche Alphabet hat und welche das sind, (2) wie die Buchstaben ausgesprochen werden, (3) welche orthografischen Besonderheiten das Deutsche aufweist und (4) woher das Alphabet und seine Sonderzeichen stammen.

2. Wie viele Buchstaben hat das deutsche Alphabet?

Das deutsche Alphabet besteht je nach Zählweise aus 26, 29 oder 30 Buchstaben. Das ist abhängig davon, ob die drei Umlaute (Ä, Ö, Ü) und das ß mitgezählt werden oder nicht. Im Einzelnen setzt es sich zusammen aus 26 Grundbuchstaben (jeweils als Majuskel und Minuskel), drei Umlautbuchstaben (Ä/ä, Ö/ö, Ü/ü) und dem Eszett (ß/ẞ). Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man von 26 Buchstaben des Alphabets und von 30 Buchstaben, die für das Schreiben deutscher Wörter insgesamt zur Verfügung stehen.

3. Übersicht: Buchstaben des deutschen Alphabets

Die folgende Tabelle zeigt alle Buchstaben des deutschen Alphabets mit Klein- und Großschreibung, ihrer phonetischen Klassifikation und dem zugehörigen Eintrag im Buchstabieralphabet. Das ist die standardisierte Buchstabiertafel, die bei der mündlichen Übermittlung von Buchstaben verwendet wird.

Grundbuchstaben

# Buchstabe Sprachlaut Buchstabieralphabet
1. a, A (Vokal) A wie Anton
2. b, B (Konsonant) B wie Berta
3. c, C (Konsonant) C wie Cäsar
4. d, D (Konsonant) D wie Dora
5. e, E (Vokal) E wie Emil
6. f, F (Konsonant) F wie Friedrich
7. g, G (Konsonant) G wie Gustav
8. h, H (Konsonant) H wie Heinrich
9. i, I (Vokal) I wie Ida
10. j, J (Konsonant) J wie Julius
11. k, K (Konsonant) K wie Kaufmann
12. l, L (Konsonant) L wie Ludwig
13. m, M (Konsonant) M wie Martha
14. n, N (Konsonant) N wie Nordpol
15. o, O (Vokal) O wie Otto
16. p, P (Konsonant) P wie Paula
17. q, Q (Konsonant) Q wie Quelle
18. r, R (Konsonant) R wie Richard
19. s, S (Konsonant) S wie Siegfried
20. t, T (Konsonant) T wie Theodor
21. u, U (Vokal) U wie Ulrich
22. v, V (Konsonant) V wie Viktor
23. w, W (Konsonant) W wie Wilhelm
24. x, X (Konsonant) X wie Xanthippe
25. y, Y (Konsonant) Y wie Ypsilon
26. z, Z (Konsonant) Z wie Zeppelin

Umlaute

27. ä, Ä (Umlaut) Ä wie Ärger
28. ö, Ö (Umlaut) Ö wie Ökonom
29. ü, Ü (Umlaut) Ü wie Übermut

Eszett / scharfes S

30. ß, ẞ wie Eszett

4. Aussprache der deutschen Buchstaben

Die Aussprache deutscher Buchstaben stellt besonders für Deutschlernende eine Herausforderung dar, weil dieselben Buchstaben je nach Wortposition und Buchstabenkombination unterschiedlich ausgesprochen werden. Vokale werden häufig lang gesprochen (IPA-Zeichen ː). Bei Konsonanten kommt die Komplexität vor allem durch Buchstabenkombinationen hinzu, die von der Einzellautaussprache abweichen. Die folgende Tabelle zeigt die IPA-Lautschrift sowie konkrete Wortbeispiele für jeden Buchstaben:

Buchstabe Aussprache (IPA) Hörbeispiele Textbeispiele
a, A
Ameise (ˈmaɪ̯zə)
Argument (aʁɡuˈmɛnt)
b, B beː
Bohne (ˈboːnə)
c, C t͡seː
Café (kaˈfeː)
Teppich (ˈtɛpɪç)
Sache (ˈzaxə)
d, D deː
Dach (dax)
e, E
lesen (ˈlz)
Recht (ʁɛçt)
Leiter (ˈlaɪ̯tɐ)
f, F ɛf
Fach (fax)
viel (fiːl)
g, G ɡeː
geduldig (ɡəˈdʊldɪç oder ɡəˈdʊldɪk)
Massage (maˈsaːʒə)
h, H haː Hose (ˈhoːzə)
i, I
Silo (ˈzlo)
Kind (kɪnt)
j, J jɔt Jacke (ˈjakə)
Joker (ˈd͡ʒoːkɐ)
k, K kaː
Küche (ˈkʏçə)
Cholera (koːleʁa)
Unfug (ˈʊnfuːk)
Quadrat (kvaˈdʁaːt)
l, L ɛl Luft (lʊft)
m, M ɛm
Maler (ˈmaːlɐ)
n, N ɛn
Nacht (naxt)
Klang (klaŋ)
o, O
Hose (ˈhzə)
Moment (moˈmɛnt)
Loch (lɔx)
p, P peː
Paket (paˈkeːt)
Sieb (ziːp)
Pferd (p͡feːɐ̯t)
q, Q kuː Quelle (ˈkvɛlə)
r, R ɛʁ
Ware (ˈvaːʁə)
s, S ɛs Maus (maʊ̯s)
Sahne (ˈzaːnə)
Spiegel (ˈʃpiːɡl̩)
t, T teː
Haut (haʊ̯t)
nachts (naxt͡s)
Matsch (mat͡ʃ)
u, U Stuhl (ʃtl)
Suppe (ˈzʊpə)
v, V faʊ̯
Vase (ˈvaːzə)
Vogel (ˈfoːɡl̩)
w, W veː
Wiege (ˈviːɡə)
x, X ɪks
Text (tɛkst)
y, Y ˈʏpsilɔn
Physik (fyˈziːk)
Teddy (ˈtɛdi)
Mühle (ˈmlə)
Müll (mʏl)
z, Z t͡sɛt
Zahn (t͡saːn)
ä, Ä ɛː Ähre (ˈɛːʁə)
ändern (ˈɛndɐn)
ö, Ö øː Möwe (ˈmøːvə)
Hölle (ˈhœlə)
ü, Ü über (ˈbɐ)
Brücke (ˈbʁʏkə)
ß, ẞ s Fuß (fuːs)

5. Besonderheiten des deutschen Alphabets

Das deutsche Alphabet weist vier orthografische und phonetische Besonderheiten auf, die es von anderen lateinisch basierten Alphabeten unterscheiden: die Umlautbuchstaben, das Eszett, besondere Buchstabenkombinationen und die Regeln zur Groß- und Kleinschreibung.

5.1 Umlaute

Die drei Umlautbuchstaben "ä", "ö" und "ü" sind Sonderzeichen des deutschen Alphabets, die durch die Verschmelzung zweier Vokale entstehen. Beim "ä" verbinden sich "a" und "e" zu einem Laut, beim "ö" verschmelzen "o" und "e" und beim "ü" verschmelzen "u" und "e". In allen drei Fällen zeigt das verschmolzene "e" den Umlaut an - grafisch dargestellt durch die zwei Punkte (Trema) über dem Grundvokal. Die Umlautbuchstaben gehören nicht zu den 26 Grundbuchstaben des deutschen Alphabets, sind aber unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Orthografie.

5.2 Das "ß" (Eszett)

Das "ß", ausgesprochen "Eszett" und auch als "scharfes S" bekannt, ist ein einzigartiges Zeichen des deutschen Alphabets ohne direktes Pendant in anderen lateinisch basierten Schriftsystemen. Das "ß" repräsentiert den stimmlosen s-Laut und wird verwendet, wenn der vorangehende Vokal oder Umlaut lang gesprochen wird oder wenn ein Diphthong vorausgeht. Das "ß" kommt ausschließlich in der Wortmitte oder am Wortende vor, nie im Anlaut.

Der Großbuchstabe "ẞ" ist erst seit dem 29. Juni 2017 Bestandteil der amtlichen deutschen Rechtschreibung. Laut der Norm DIN 5008 ist das große "ẞ" bei der Verwendung von Großbuchstaben der Auflösung in "SS" oder "SZ" vorzuziehen.

5.3 Buchstabenkombinationen

Im Deutschen weisen mehrere Buchstabenkombinationen Ausspracheregeln auf, die von der Aussprache der Einzelbuchstaben abweichen. Die wichtigsten sind:

  • Doppelbuchstaben (Doppelkonsonanten und Doppelvokale): Doppelkonsonanten bewirken eine Kürzung des voranstehenden Vokals (Beispiel: Mutter). Doppelvokale bewirken eine Betonung der Silbe, in der sie vorkommen (Beispiel: Eistee).
  • Diphthonge: Im Deutschen kommen Diphthonge hauptsächlich als "ei", "au" und "eu" vor (Beispiele: Seide, Haus, Beute).
  • Langes "i": Ein lang gesprochenes "i" kann als "i", "ie", "ih" oder "ieh" geschrieben werden. Am häufigsten ist die Schreibweise "ie", bei der das "e" nicht hörbar ist, sondern nur zur Vokallängung dient (Beispiel: Sieb -> zp). Ausnahmen bilden Fälle, in denen "ie" am Wortende steht und biphonematisch ausgesprochen wird (Beispiel: Folie -> ˈfoːli̯ə).
  • Die Affrikate "pf": Diese stimmlose Lauteinheit wird im Anlaut monophonematisch mit nur dem Buchstaben "f" wiedergegeben (Beispiel: Pferd), im Inlaut und Auslaut hingegen biphonematisch (Beispiele: hüpfen, Kopf).
  • Die Affrikate "ts": Diese stimmlose Lauteinheit kann im Anlaut, Inlaut und Auslaut auftreten (Beispiele: Ziffer -> ˈt͡sɪfɐ; beizen -> ˈbaɪ̯t͡sn̩; Sturz -> ʃtʊʁt͡s).
  • Die Affrikate "tʃ (tsch)": Diese stimmlose Lauteinheit erscheint ebenfalls an allen Wortpositionen (Beispiele: tschüss; Rutsche; Deutsch).
  • Der Frikativ "ʃ (sch)": Dieser stimmlose Zischlaut erscheint im Anlaut (Beispiele: Schule -> ˈʃuːlə; Spiel -> ʃpiːl), im Inlaut (Beispiel: Flasche) und im Auslaut (Beispiel: Barsch).

5.4 Groß- und Kleinbuchstaben

Die deutsche Rechtschreibung kennt fünf verbindliche Regeln zur Großschreibung, die das Deutsche von den meisten anderen europäischen Sprachen unterscheiden. Besonders die Großschreibung aller Substantive ist ein charakteristisches Merkmal der deutschen Orthografie:

  1. Substantive werden grundsätzlich großgeschrieben, unabhängig von ihrer Position im Satz.
  2. Substantivierte Wörter - also Wörter anderer Wortarten, die als Substantiv verwendet werden - werden ebenfalls großgeschrieben.
  3. Die formellen Anredepronomen "Sie", "Ihr" und "Ihnen" werden immer großgeschrieben. Die Pronomen der persönlichen Anrede (du, dich, dein, dir, ihr, euch, euer) können in Ausnahmefällen großgeschrieben werden, etwa in Briefen oder E-Mails, wenn die adressierten Personen persönlich bekannt sind.
  4. Namen und Eigennamen werden großgeschrieben.
  5. Am Satzanfang steht immer ein Großbuchstabe.

6. Herkunft des deutschen Alphabets

Das deutsche Alphabet basiert auf dem lateinischen Alphabet, das von den Römern entwickelt wurde und ursprünglich 21 Buchstaben umfasste. Im Verlauf der europäischen Kulturgeschichte wurde das lateinische Alphabet durch sprachliche und kulturelle Einflüsse schrittweise erweitert, bis es in der Renaissance seine heutige Form mit 26 Grundbuchstaben erhielt. Die deutschen Sonderzeichen - Umlaute und Eszett - entstanden durch eigene orthografische Entwicklungen im deutschsprachigen Raum.

6.1 Herkunft des "ß" (Eszett)

Das "ß" entstand im Mittelalter als Ligatur aus dem langen s (ſ) und dem runden s. In einer Zeit, in der die Orthografie noch nicht standardisiert war, verwendeten Schreiber verschiedene Buchstabenkombinationen, um den Laut "ss" darzustellen. Die Kombination "ſs" aus langem s und normalem s war dabei besonders verbreitet. Das lange s (ſ) ähnelte optisch dem "f", während das runde s dem heutigen "s" entsprach.

Im Laufe der Zeit verschmolzen "ſ" und "s" zunehmend miteinander: Das lange s wurde in der Wortmitte und am Wortende zum runden s, während es im Anlaut erhalten blieb. Aus dieser Verschmelzung entstand das "ß" als eigenständiges Schriftzeichen. Im 16. Jahrhundert begann das "ß" in Druckerzeugnissen als akzeptierter Buchstabe verwendet zu werden.

6.2 Herkunft der Umlautbuchstaben

Die Umlautbuchstaben "ä", "ö" und "ü" entwickelten sich ab dem 15. Jahrhundert aus einer älteren Schreibkonvention, bei der ein kleines "e" über den jeweiligen Vokal gesetzt wurde. Ab dem 16. Jahrhundert verbreitete sich die deutsche Kurrentschrift, in der das "e" wie zwei senkrechte Striche aussah. Im Laufe der Zeit reduzierten sich diese zwei Striche auf die heute gebräuchlichen zwei Punkte (Trema), die wir noch heute über den Umlautbuchstaben sehen.

7. Drei Fakten, mit denen du sofort als Experte wirkst

Mit diesen Fragen zeigst du beim nächsten Gespräch über Sprache, dass du das Thema wirklich durchdrungen hast:

  • Wusstest du, dass das "ß" jahrhundertelang keinen offiziellen Großbuchstaben hatte und das große "ẞ" erst seit dem 29. Juni 2017 Teil der amtlichen deutschen Rechtschreibung ist und damit eines der jüngsten Zeichen im deutschen Alphabet?
  • Wusstest du, dass die zwei Punkte auf den Umlautbuchstaben "ä", "ö" und "ü" ursprünglich ein kleines "e" waren, das über den Vokal geschrieben wurde und das diese Schreibkonvention bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht?
  • Wusstest du, dass das deutsche Alphabet je nach Zählweise 26, 29 oder 30 Buchstaben haben kann - abhängig davon, ob Umlaute und Eszett mitgezählt werden und das im allgemeinen Sprachgebrauch trotzdem meist von "26 Buchstaben" gesprochen wird?

Über den Autor
Silvan Maaß ist Diplom-Kommunikationswirt (dab) sowie Mitbegründer der Sprachnudel, wodurch er sich seit über 20 Jahren beinahe täglich mit theoretischer und angewandter Linguistik beschäftigt. Die Lebendigkeit der Sprache hat es ihm besonders angetan. Daher interessiert er sich insbesondere für Okkasionalismen und Neologismen - zwei kreative Themenfelder der Linguistikforschung, die in unserer Gesellschaft relevanter denn je sind.
Viele seiner Gedanken und Beobachtungen hat er im Sprachnudel-Magazin verfasst, wo er regelmäßig über sprachliche Phänomene und aktuelle Entwicklungen der deutschen Sprache schreibt.

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