Schwulenpest

diskriminierend, Substantiv
Was bedeutet Schwulenpest?
[1] abwertend: die Immunschwächekrankheit Aids

Etymologie

Die Etymologie erforscht den Ursprung und die historische Entwicklung von Wörtern.

Wortherkunft & Verweise

Der Begriff ist eine 1983 von der Zeitschrift Spiegel geprägte Übersetzung von Gay Plague (plague ).
Als die Krankheit ab 1981 bemerkt wurde (älteste nachträglich diagnostizierte Blutprobe mit HIV stammt von 1959, hochgerechnet fand die erste Übertragung auf den Menschen zwischen 1884 und 1931 statt), waren anfangs vor allem homosexuelle Männer erkennbar davon betroffen, man nannte die Krankheit auch "Schwulenkrankheit", und Gay-Related Immune Deficiency (GRID), doch bald diagnostizierte man sie auch bei Drogenabhängigen und Blutern und prägte im August 1982 die Abkürzung Aids.
Nach einem ersten kleineren Bericht am 31. Mai 1982 unter dem Titel "Schreck von drüben" über eine unerklärliche Häufung von Kranken mit Morbus Kaposi(1)(2) brachte der Spiegel am 6. Juni 1983 den ersten großen Bericht im deutschsprachigen Raum mit der Titelseite: "Tödliche Seuche AIDS. Die rätselhafte Krankheit."(3) Der Artikel beginnt mit einem Zitat aus Albert Camus Roman "Die Pest". Auf der dritten Seite wird berichtet, dass Ärzte meldeten, dass auch Frauen und Kinder betroffen seien.(4) Darauf folgt: "Droht eine Pest? Wird Aids wie wie apokalyptischer Reiter auf schwarzem Roß über die Menschheit kommen? Ist eine moderne Seuche in Sicht, die sich zu Tod, Hunger und Krieg gesellen wird, wie einst im Mittelalter? Oder werden nur die homosexuellen Männer daran glauben müssen? Vielleicht (wie es Bakteriologe Fehrenbach formuliert) weil "der Herr für die Homosexuellen immer eine Peitsche bereit hat"?"(4) Gleich darauf wird erwähnt, dass die Krankheit auf "rätselhafte Weise"(4) übertragen werde. Im weiteren Verlauf gibt es eine Sammlung aus Berichten über Aids, vermischt und verglichen mit Krankheiten von Fußpilz bis zu Pest, Pocken und Cholera, wobei es zu den drei letzten auch Fotografien oder Gemälde abgedruckt(5) wurden. Viel später und im Umfang recht bescheiden folgen auch Informationen über die schon damals vermuteten Übertragungswege durch Blut und/oder Körperflüssigkeiten und in einer Berichtsbox über Homosexuelle in Berlin darf man auch nebenbei lesen, dass es durch Händeschütteln nicht übertragen wird.(6)
Der nächste Artikel am 11. Juli 1983 berichtet unter dem Titel "Wie die Pest"(7), dass Erkrankte der "Homosexuellen-Krankheit Aids"(7) wie Aussätzige behandelt werden. Trotz Beruhigungsversuchen der Gesundheitsbehörden und Erklärung der Übertragungswege "verbreitet sich in den USA die Angst vor der Seuche schneller als die Krankheit selbst - als sei Aids eine moderne Version der Pest"(7). Es folgen Beispiele von Ausgrenzungen und das Zitat: "Wir werden behandelt wie Aussätzige, wie früher die Pest- oder Leprakranken"(7). Im selben Absatz folgt dann der Satz: "Schon hat der Volksmund eine neue Bezeichnung für Aids gefunden - "Gay Plague", die Schwulenpest."(7) Der Begriff Schwulenpest findet schnell Eingang in die deutsche Presse und damit in die Bevölkerung.(8) Auch der Spiegel verwendet den Begriff bis heute immer wieder gerne, wenn auch unter Anführungszeichen und dem Hinweis, dass es früher so genannt wurde. Für die Art der Berichterstattung wurde der Spiegel damals heftig kritisiert.(9)
  1. Medizin - Schreck von drüben. In: Spiegel Online. Nummer 22/1982, 31. Mai 1982, ISSN 0038-7452 (URL) .
  2. Aids 1980 – 1986. Ulrich Würdemann, abgerufen am 3. Oktober 2011.
  3. Titelbild der Nr. 23/1983 des SPIEGEL. Abgerufen am 3. Oktober 2011.
  4. Aids: Eine Epidemie, die erst beginnt. In: Spiegel Online. Nummer 23/1983, 6. Juni 1983, ISSN 0038-7452 (URL) .
  5. Aids: Eine Epidemie, die erst beginnt. In: DER SPIEGEL. Nummer 23/1983, 6. Juni 1983, ISSN 0038-7452, Seite 150 (PDF, Online, abgerufen am 3. Oktober 2011) 
  6. Aids: Eine Epidemie, die erst beginnt. In: DER SPIEGEL. Nummer 23/1983, 6. Juni 1983, ISSN 0038-7452, Seite 156 (PDF, Online, abgerufen am 3. Oktober 2011) 
  7. Wie die Pest. In: Spiegel Online. Nummer 28/1983, 11. Juli 1983, ISSN 0038-7452 (URL) .
  8. Susanne Köneke; Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg im Breisgau (Herausgeber): AIDS in der Presse. Der schreibende Umgang mit dem Ungewissen. 1990 
  9. unter anderem von Elmar Kraushaar: Der homosexuelle Mann…. Anmerkungen und Beobachtungen aus zwei Jahrzehnten. In: Bibliothek rosa Winkel. Bd. 35, MännerschwarmSkript, ISBN 3-935596-35-9, Seite 27 

Orthographie

Normgerechte Schreibung

  • Schwulenpest

Silben und Silbentrennung

  • Anzahl der Silben: 3
  • Silbentrennung: Schwu | len | pest, kein Plural

Phonologie

Aussprache

Nach dem IPA (Internationales Phonetisches Alphabet): ˈʃvuːlənˌpɛst

Grammatik

Die Grammatik ist das Regelwerk, das beschreibt, wie eine Sprache aufgebaut ist und funktioniert.

Wortart

Was ist eine Wortart?

Genus

Was ist Genus?
Femininum (weiblich, Artikel: die)

Numerus & Kasus

Was ist Numerus & Kasus?

Deklination / Einzahl & Mehrzahl von "Schwulenpest":

Nominativ Singular die Schwulenpest
Genitiv Singular der Schwulenpest
Dativ Singular der Schwulenpest
Akkusativ Singular die Schwulenpest

Sprache

Sprachgebrauch

Was bedeutet Sprachgebrauch?
  • abwertend
  • diskriminierend (sollte vermieden werden)

Quantitative Linguistik

Die Quantitative Linguistik ist die Statistik der Sprachwissenschaft.

Grundwortschatz

Was ist der Grundwortschatz?

"Schwulenpest" gehört nicht zum deutschen Grundwortschatz.

Länge nach Buchstaben

"Schwulenpest" umfasst 12 Buchstaben.

:

Buchstabenhäufigkeit

Was bedeutet Buchstabenhäufigkeit?
E 2-mal 17,22% (sehr häufig)
N 1-mal 10,04% (häufig)
S 2-mal 6,72% (mäßig häufig)
T 1-mal 6,03% (mäßig häufig)
H 1-mal 5,11% (mäßig häufig)
U 1-mal 4,03% (gelegentlich)
L 1-mal 3,85% (gelegentlich)
C 1-mal 3,42% (gelegentlich)
W 1-mal 1,83% (selten)
P 1-mal 0,72% (selten)

Konsonanten und Vokale

"Schwulenpest"

enthält 3 Vokale und 9 Konsonanten

Worthäufigkeit

Was bedeutet Worthäufigkeit?

Der Begriff "Schwulenpest" wird kaum im Sprachgebrauch verwendet.

Rang nach Worthäufigkeit

Wie wird der Rang nach Worthäufigkeit ermittelt?

Der Eintrag "Schwulenpest" belegt Position 124949 in unserer Rangliste der Häufigkeitsverteilung.

Beispiele

Beispielsätze

Für "Schwulenpest" ist noch kein Beispiel vorhanden. Hilf mit und trage den ersten Beispielsatz ein.

Semantik

Die Semantik befasst sich mit der Bedeutung von Wörtern und Sätzen.

Assoziation

Nimmst du "Schwulenpest" eher als positiv oder negativ wahr?

Wortlisten

"Schwulenpest" ist in folgenden Wortlisten zu finden:

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