kiffen

• Kategorie: Arabismen, Anglizismen

Orthographie

Normgerechte Schreibung

  • kiffen

Silben und Silbentrennung

  • Anzahl der Silben: 2
  • Silbentrennung: kif | fen, Präteritum kiff | te, Partizip II ge | kifft

Häufige Rechtschreibfehler

  • kifen

Etymologie

Bedeutung (Definition)

Was bedeutet "kiffen"?

Weitere Bedeutungen liefern die folgenden Lemmata:

1. kiffen

Wortherkunft & Verweise

Das ab 1963(1)(2) bezeugte neuhochdeutsche Verb geht zurück auf die arabische Partikel كَيْفَ / كَيْف‎ (DMG: kayfa / Pausa: kayf) "wie"(3)(4), die zum Grundbestand des Arabischen gehört.(5) Ende des 8. Jahrhunderts kam eine substantivierte Ableitung mit der Bedeutung "Beschaffenheit, Eigenschaft"(3) auf, zunächst in der Fachsprache der islamischen Theologen, die sich in der Frage der im Koran vorkommenden anthropomorphistischen Aussagen über Gott schon früh darauf geeinigt hatten, nicht mehr nach dem "Wie" – بِلَا كَيْف‎ (DMG: bi-lā kayf)  – zu fragen.(5)
Dem abstrakten كَيْف‎ (DMG: kayf)-Begriff der islamischen Gelehrtenschaft stand bald in der Volkssprache, vielleicht unter dem Einfluss der Sufis (siehe »Scheich«), eine eher sinnliche Bedeutung "Wohlbefinden, gute Laune" gegenüber.(5) In dieser Bedeutung wurde das Wort ins Osmanisch-Türkische in gleicher Form كيف‎ (DMG: käyf, keyf; İA: keyf) → ota(6) übernommen.(5) "tk.">tk. kejf "Befinden, Wohlbefinden’, dessen Betätigung im Sinne des Orientalen vor allem träumerisches Nichtstun beim Rauchen und Kaffeetrinken ist"(6) heißt es 1927 in einer Worterklärung bei Karl Lokotsch, die dem europäischen Bild vom »Orientalen« einen verbreiteten Zug hinzufügt (siehe »Haschisch«, »Assassine«).(5) Aufschlussreich an dieser Worterklärung ist allerdings auch, dass die Mittel ins Blickfeld geraten, mit denen "Wohlbefinden" erzeugt wird.(5) Von zwei anderen Mitteln berichtet Carsten Niebuhr schon 1772 aus der Gegend um Mekka:(6) "Weil die geringern Araber in den Staͤdten auch lieben Keif zu haben, d.i.">d.i. vergnuͤgt zu ſeyn, die ſtarken Getraͤnke aber nicht bezalen, und vielleicht gar nicht bekommen koͤnnen; ſo rauchen ſie Haſchîſch, […]."(7) Tatsächlich ist nun ab dem 19. Jahrhundert eine weitere Bedeutungsentwicklung des Wortes belegt, diesmal allerdings nur im maghrebinischen Arabisch,(8) vor allem in Marokko und Algerien, wo arabisches كَيْف‎ (DMG: kayf; mundartnah: kif,(9) kīf,(10) kēf) über die Bedeutung "état de gaîté, d’ivresse, causé par le hachîch;(11) Rauchzustand infolge des Haschischkonsums"(8) zur euphemistischen Bezeichnung für "le hachîch même;(11) Rauschdroge aus Cannabis sativa" wurde.(12) Dabei könnte auch ein anderer Spitzname für das Rauschmittel einen Einfluss ausgeübt haben – arabisches كَفّ‎ (DMG: kaff),(13) wörtlich "Handfläche,(13) Handteller", wohl wegen der charakteristischen Blätterform –, der bereits bei dem ägyptischen Historiker al-Maqrīzī belegt ist.(12)(13)
Kiff in diesem Sinne wird 1896 in einem deutschen Reisebericht aus Marokko von Elsa von Schabelsky(14) erwähnt.(12) Das Wort ist allerdings im Deutschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiter kaum belegt.(12) Erst kurz nach 1960(8)(9)(10) findet das Wort erneut in den deutschen Sprachschatz,(12) diesmal über eine Entlehnung des englischen kif ,(13)(14)(15) das derselben arabischen Quelle entstammt(16) und ab 1808 in der Bedeutung "Rauschzustand, Anheiterung"(8) sowie "Dröhnung"(15) belegt ist. Zu jener Zeit entstand daraus die denominative Ableitung kiffen, die in den 1970er Jahren offenbar durch die sogenannten Hippies populär wurde, die ihrerseits Bücher beispielsweise von Jack Kerouac gelesen hatten, der (in deutscher Übersetzung 1967) von Kif(16) in Marokko berichtet.(12)
  1. Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 4. Band Haut–Kost, Klett, Stuttgart 1983, ISBN 3-12-570140-6, DNB 831065346 , Stichwort »kiffen«, Seite 1469.
  2. Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7 , Stichwort »kiffen«.
  3. Jörg Kraemer und Helmut Gätje (Begründer), bearbeitet von Manfred Ullmann et al.; Deutsche Morgenländische Gesellschaft (Herausgeber): Wörterbuch der klassischen arabischen Sprache. Band 1, ك‎, Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1970, Seite 496 ff .
  4. Hans Wehr, unter Mitwirkung von Lorenz Kropfitsch: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch - Deutsch. 5. Auflage. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1985, ISBN 3-447-01998-0, DNB 850767733 , Stichwort »كيف‎«, Seite 1132.
  5. Andreas Unger, unter Mitwirkung von Andreas Christian Islebe: Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010609-9, DNB 979253837 , Stichwort »Kiffen«, Seite 134.
  6. Ferit Devellioğlu: Osmanlıca-Türkçe Ansiklopedik Lûgat. Eski ve yeni harflerle. Aydın Kitabevi, Ankara 1986 , Stichwort »keyf كيف‎«, Seite 615.
  7. Karl Lokotsch: Etymologisches Wörterbuch der europäischen Wörter orientalischen Ursprungs. In: Hermann Wirt, Wilhelm Streitberg † (Herausgeber): Indogermanische Bibliothek. Erste Abteilung: Sammlung indogermanischer Lehr- und Handbücher. II. Reihe: Wörterbücher. 3. Band, Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1927 , Stichpunkt »1007. Ar. kaif«, Seite 81.
  8. Andreas Unger, unter Mitwirkung von Andreas Christian Islebe: Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010609-9, DNB 979253837 , Stichwort »Kiffen«, Seite 134–135.
  9. Carſten Niebuhr: Beſchreibung von Arabien. Aus eigenen Beobachtungen und im Lande ſelbſt geſammelten Nachrichten. Gedruckt in der Hofbuchdruckerey bey Nicolaus Moͤller, in Leipzig zu bekommen bey B. C. Breitkopf und Sohn, Kopenhagen 1772, Seite 57 (Zitiert nach Google Books) .
  10. Raja Tazi: Arabismen im Deutschen. Lexikalische Transferenzen vom Arabischen ins Deutsche. In: Stefan Sonderegger, Oskar Reichmann (Herausgeber): Studia Linguistica Germanica. 47. Band, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1998, ISBN 978-3-110-14739-1, DNB 953951359 , Stichwort »Kif«, Seite 302.
  11. Mundartnahe Umschrift nach Richard S. Harrell; compiled by Thomas Fox, Mohammed Abu-Talib, with the assistance of Ahmed Ben Thami, Allal Chreibi, Habiba Kanouni, Ernest Ligon, Mohammed Mekaoui (Herausgeber): A Dictionary of Moroccan Arabic. Moroccan–English. Georgetown University Press, Washington, D.C. 1966 , Stichwort »kif«, Seite 62.
  12. Mundartnahe Umschrift nach Francisco Moscoso García: Diccionario español – árabe marroquí. Junta de Andalucía, Dirección General de Coordinación de Políticas Migratorias, Sevilla 2005, ISBN 84-689-2464-4 , Stichwort »Kif«, Seite 167.
  13. R[einhart]. Dozy: Supplément aux Dictionnaires arabes. Tome Second, E. J. Brill, Leyde 1881, Stichpunkt »كَيْفٌ‎«, Seite 505 (Zitiert nach Digitalisat der MLU) .
  14. Andreas Unger, unter Mitwirkung von Andreas Christian Islebe: Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010609-9, DNB 979253837 , Stichwort »Kiffen«, Seite 135.
  15. Hans Wehr, unter Mitwirkung von Lorenz Kropfitsch: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch - Deutsch. 5. Auflage. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1985, ISBN 3-447-01998-0, DNB 850767733 , Stichwort »كف‎«, Seite 1109.
  16. Franz Rosenthal: The Herb. Hashish versus Medieval Muslim society. E.J. Brill, Leiden 1971, Seite 27 (Zitiert nach Google Books) .
  17. Elsa von Schabelsky: Harem und Moschee. Reiseskizzen aus Marrokko. Cronbach, Berlin 1896, Seite 120 .
  18. Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 4. Band Haut–Kost, Klett, Stuttgart 1983, ISBN 3-12-570140-6, DNB 831065346 , Stichwort »Kif (Kiff, Kief)«, Seite 1469.
  19. Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7 , Stichwort »Kif (Kiff, Kief)«.
  20. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742 , Stichwort »Kif«, Seite 487.
  21. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort "kiffen"
  22. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. 5., neu bearbeitete Auflage. Band 7, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04075-9 , Stichwort »kiffen«, Seite 444.
  23. Oxford English Dictionary "kif"
  24. Jack Kerouac: Engel, Kif und neue Länder. Roman. Melzer, Darmstadt 1967 (Originaltitel: Desolation Angels, übersetzt von Otto Wilck aus dem Amerikanischen), Seite 204 ff., 226 .

Lehnwort

Was ist ein Lehnwort?
"kiffen" ist ein Arabismus und Anglizismus.

Sprache

Sprachgebrauch

Was bedeutet Sprachgebrauch?
  • umgangssprachlich

Quantitative Linguistik

Grundwortschatz

Was ist der Grundwortschatz?

"kiffen" gehört nicht zum deutschen Grundwortschatz.

Länge nach Buchstaben

"kiffen" umfasst 6 Buchstaben.

Konsonanten und Vokale

"kiffen"

enthält 2 Vokale und 4 Konsonanten

Worthäufigkeit

Wie wird die Worthäufigkeit ermittelt?

Der Begriff "kiffen" wird wenig im Sprachgebrauch verwendet.

Rang nach Worthäufigkeit

Wie wird die Worthäufigkeit ermittelt?

Der Eintrag "kiffen" belegt Position 33145 in unserer Rangliste der Häufigkeitsverteilung.

Grammatik

Wortart

Was ist eine Wortart?

Flexion

Was ist Flexion?
Präsens ich kiffe
Präsens du kiffst
Präsens er, sie, es kifft
Präteritum ich kiffte
Partizip II gekifft
Konjunktiv II ich kiffte
Imperativ Singular kiffe
Imperativ Singular kiff
Imperativ Plural kifft
Hilfsverb haben

Beispiele

Beispielsätze

  • Er sitzt den ganzen Tag in seinem Zimmer und kifft und macht nichts anderes.

Phonologie

Aussprache

Nach dem IPA (Internationales Phonetisches Alphabet): ˈkɪfn̩

Ähnlich klingende Wörter

Reimwörter

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Semantik

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Synonyme

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